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München – Christian Sievers ist Nachrichtensprecher beim ZDF. Die tz sprach mit dem gebürtigen Offenbacher (geboren 1969) über seine Leidenschaft für Twitter und den Nutzen, den er daraus ziehen kann.

Millionen Zuschauer kennen Claus Kleber, Peter Kloeppel und Co. als Nachrichtensprecher, die uns Abend für Abend vor laufender Kamera erklären, was wichtig ist in der Welt. Aber die Anchormen sind auch in den sozialen Medien höchst aktiv, vor allem beim Kurznachrichtendienst Twitter. ZDF-Mann Kleber (der übrigens sehr originell und kurzweilig twittert) hat die meisten Fans (siehe Grafik), sein Kollege Christian Sievers (heute, heute-journal) haut am häufigsten in die Tasten. Wir sprachen mit dem gebürtigen Offenbacher (geboren 1969) über seine Leidenschaft für Twitter und den Nutzen, den er daraus ziehen kann.

Herr Sievers, Sie sind ein leidenschaftlicher Twitter-Nutzer, hauen viel und oft in die Tasten. Legen Sie das Handy überhaupt mal aus der Hand?

Christian Sievers: Ja, klar, es ist ja noch nicht angewachsen (lacht). Aber es stimmt schon: Auf dem Handy spielt sich wahnsinnig viel ab. Und wenn man beruflich das macht, was ich mache, ist es vielleicht noch mal etwas krasser. Recherche, Nachrichten, logistische Planungen der Sendung – das läuft alles mobil oder, wenn man im Büro sitzt, halt über den Computer.

Stresst Sie die ständige Versorgung mit neuen Nachrichten auch manchmal?

Sievers: Nicht wirklich. Im Gegenteil – ich empfinde diesen Teil meines Jobs nicht als Arbeit. Das ist Teil einer angeborenen Neugier bei mir.

Was fasziniert Sie genau an Twitter?

Sievers: Diese Unmittelbarkeit, die Notwendigkeit, sich ganz kurz zu fassen. Es gibt keine „Hierarchien“, alles läuft schlicht nach Chronologie. Und man weiß nie, was als Nächstes passiert. Ich finde diesen rohen Datenfluss, der von nichts anderem als der Zeit beeinflusst wird, sehr attraktiv.

Welche Art von Twitterern mögen Sie nicht?

Sievers: Ich habe zum Beispiel aufgehört, Organisationen zu folgen. Denen, die mit Plan und System twittern und einen mit Tweets überschwemmen. Mich interessieren auch nicht die fünf Topmeldungen des Tages. Die habe ich meist schon auf anderen Wegen mitbekommen. Ich folge am liebsten Kolleginnen und Kollegen, die über Twitter Dinge, erzählen, für die in ihrer Berichterstattung kein Platz war. Diese kleinen Fundstücke mag ich sehr. Twitter eignet sich auch zum Schmunzeln. Das kann ein Foto sein, das jemand postet, oder ein Zitat. Und – für uns Journalisten ganz wichtig – was das Recherchieren vor Ort angeht, ist Twitter mittlerweile unerlässlich geworden.

Sie waren selbst lange Korrespondent, zuletzt in Tel Aviv.

Sievers: Und gerade in Krisengebieten und in Krisenzeiten bekommen Sie über Twitter eine Unmittelbarkeit und eine Fülle von Informationen, die Sie sonst nicht hätten. Wer im letzten Gazakrieg nicht bei Twitter war, hat ein ganz wichtiges Instrument verpasst, um an Informationen zu kommen und Kontakt zur Welt zu halten. Eine Nachrichtenagentur kann nicht alle paar Sekunden über Details eines Krisenverlaufs Meldungen raushauen. Bei Twitter passiert genau das. Das ist eine wichtige Erfahrung.

Die aber auch Risiken birgt, oder? Wo liegen Ihrer Meinung nach die Grenzen von Twitter?

Sievers: Die Herausforderung ist zunächst mal, herauszufinden, was stimmt, was stimmt nicht. Wer verschickt glaubwürdige Nachrichten, wer nicht. Das gilt aber für alles, was aus dem Internet kommt. Hinzukommt: Wenn sich jemand nicht an die Grundregeln menschlichen Miteinanders hält, sondern Hass sät oder mit Beleidigungen daherkommt, möchte ich damit nichts zu tun haben. Aber mit solchen Menschen würde ich mich auch in einer Kneipe nicht länger unterhalten. Warum dann im Netz?

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Haben Sie schon mal einen Shitstorm kassiert?

Sievers: Eigentlich nicht. Es gibt schon manchmal Leute, die sich aufregen, auch über Sendungen, die ich moderiert habe. Solange es nicht ausfallend wird, ist das völlig in Ordnung. So eine Diskussion kann auch neue Denkanstöße geben.

Sie twittern als Privatperson, man kennt Sie aber natürlich als Nachrichtenmann vom ZDF. Wie schwierig ist da die Abgrenzung?

Sievers: Für mich ist das klar getrennt: Was ich bei Twitter mache, ist privat. Ich frage auch vorher niemanden oder lasse die Tweets im Sender abchecken (lacht).

Würden Sie uns zum Schluss drei Accounts nennen, die Sie zum Folgen empfehlen?

Sievers: Gerne. @Queen_UK – das ist nicht die Echte, aber mit echt britischem Humor. @MLeutke – unser ZDF-Wirtschaftsexperte gibt immer wieder Einblick hinter die TV-Kulissen. Und @ArwaCNN – eine US Kollegin, die über (zu) viele Krisen berichten musste und jetzt selbst eine Hilfsorganisation für Kinder gegründet hat.

http://www.tz.de